Du hast sicherlich viele Fragen zur Zukunftswerkstatt SJ

 

Auf dieser Seite versuchen wir sie zu beantworten.

Allgemeine Fragen

Was versteht ihr unter Berufung?

Wir sind der Überzeugung, dass jeder Mensch einmalig ist. Der Grund für meine Originalität liegt in Gott. Er ruft mich ins Leben und wünscht sich, dass mein Leben sich zum Segen für mich und andere entfaltet. Die Suche nach der eigenen Berufung ist die Suche nach einem gelingenden Leben. Das verstehen wir unter Berufung: Gerufen in meine Einmaligkeit. Meine Berufung liegt jedoch nicht einfach da, ist nicht einfach ein Plan, den ich abarbeite. Meine Berufung gilt es zu entdecken: Was zeichnet mich aus? Wo werde ich gebraucht? Wofür möchte ich leben? Und es gilt meine Berufung zu gestalten: Wie gehe ich mit meinen Prägungen und Erfahrungen um? Wie kann ich meine Talente fruchtbar machen? Wie trage ich mit meinen Entscheidungen zum Gelingen meines Lebens bei?

Die Berufung gefunden zu haben ist mit dem Gefühl verbunden angekommen zu sein. Das macht mich frei, lässt Kraft fließen und mein Leben gewinnt an Fahrt. Die Lust und Freude an meinem Leben wächst. Gleichzeitig heißt das aber nicht, dass es keine Probleme oder Schwierigkeiten mehr gibt, wenn ich meine Berufung gefunden habe. Wir müssen nur auf Jesus schauen: Er hatte seine Berufung gefunden und gelebt, dennoch knirschte es ziemlich heftig in einigen Begegnungen und am Ende verließen ihn seine Freunde und er wurde umgebracht. Dennoch war sein Leben gelungen.

Der Begriff „Berufung“ wird häufig nur mit Berufen innerhalb der Kirche assoziiert. Das greift uns zu kurz. Jeder Mensch ist von Gott berufen, sich in dieser Welt als Christ einzubringen – ob als Mutter, Straßenmusiker, Franziskanerin, Vater, Jesuit, Physiker, Priester, oder Bäcker. Uns allen soll es zuerst um das Reich Gottes gehen…

Wer ist Träger der Zukunftswerkstatt SJ?

Die Zukunftswerkstatt SJ ist ein Angebot der Jesuiten im Rahmen der Berufungspastoral. Es gehört zum Grundauftrag der Jesuiten junge Menschen auf der Suche nach einem gelingenden Leben zu begleiten. Das ist uns wichtig und wofür man Geld und Personal ausgibt, zeigt, was einem wichtig ist.

Was bedeutet Berufungspastoral?

Unter Berufungspastoral versteht man die seelsorgliche Aufgabe, in Menschen das Interesse an ihrer Berufung zu wecken, sie in der Unterscheidungsphase zu begleiten und zu Entscheidungen zu befähigen.

Zur Berufungspastoral gehört aber auch eine Art „Berufsberatung für kirchliche Berufe“. Alle Diözesen und Ordensgemeinschaften haben Leute, die in der Berufungspastoral tätig sind. Allerdings muss man genau unterscheiden, um was es geht: Geht es um Berufsberatung oder um Begleitung im Prozess der Berufungsklärung? Je nachdem was ich suche, wähle ich das Angebot. Die Zukunftswerkstatt SJ begleitet und befähigt dich auf deinem Weg der Berufungssuche.

Welche Ziele verfolgt die Zukunftswerkstatt?

Die Zukunftswerkstatt SJ möchte vielen jungen Leuten Lust machen, sich mit der Frage nach ihrer persönlichen Berufung zu beschäftigen, damit sie Klarheit und Kraft finden, ihre Einmaligkeit auszuprägen. Dazu zeigen wir Wege, wie man eine tiefe und lebendige Beziehung zu sich selbst und zu Gott aufbauen kann, denn darin sehen wir die Quelle für ein gelungenes Leben.

Unser Angebot richtet sich an Frauen und Männer zwischen 17 und 30 Jahren, die ihr Leben mit Gott gestalten wollen. Wie dieses Leben am Ende aussieht, dazu lässt sich Gott, unserer Erfahrung nach, immer etwas ganz Neues einfallen.

Was habt ihr vor Ort mit den Jesuiten zu tun?

Die Räumlichkeiten der Zukunftswerkstatt SJ liegen auf dem Campus Sankt Georgen. Auf diesem Campus wohnen und arbeiten ca. 30 Jesuiten. Im Wohnhaus der Jesuiten wurde ein Stockwerk für die Zukunftswerkstatt abgetrennt. Es gibt aber Berührungspunkte, z. B. wenn Zukunftswerkstättler mit den Jesuiten Messe feiern, beim Essen oder man begegnet einem Jesuiten im Treppenhaus. Viele der Jesuiten begleiten unsere Gäste still im Gebet.

Das Programm ist wesentlich von der Spiritualität der Jesuiten geprägt und der Leiter der Zukunftswerkstatt ist ein Jesuit – zurzeit Clemens Blattert SJ.

Übrigens: Jesuiten wohnen nicht in alten Klöstern, wie beispielsweise Benediktiner, sondern in kleineren Kommunitäten. Das kannst du dir wie eine große Männer-WG vorstellen. Jesuiten tragen auch keine Kutte oder Ähnliches, sondern kleiden sich „normal“.

Können auch Frauen mitmachen?

Klar, denn das Miteinander von Frauen und Männern, von Menschen, die in der Ehe oder im Zölibat leben, die in der Kirche oder in einem „normalen“ Beruf arbeiten wollen, gibt eine lebendige Stimmung und zeigt, wie groß und vielfältig das Reich Gottes ist. Wir haben erlebt, dass gerade die Unterschiedlichkeit der Menschen, ihrer Prägungen und ihrer Ausrichtungen jedem hilft, in dieser Auseinandersetzung die eigene Berufung deutlicher zu erkennen.

Muss ich katholisch sein?

Unsere Angebote und die gesamte Zukunftswerkstatt sind christlich-ignatianisch geprägt. Es ist aber keine Voraussetzung, dass du katholisch oder regelmäßiger Kirchgänger bist. Notwendig ist, dass du dich offen und neugierig auf Gott einlässt, da er das Fundament unserer Angebote darstellt.

Ich habe manchmal Zweifel am Glauben. Wie steht ihr dazu?

Zweifel im Glauben bringen Bewegung. Was sich bewegt, ist lebendig, also sind Fragen und Zweifel ein Zeichen eines lebendigen Glaubens. Du zeigst, dass du dich mit deinem Glauben auseinandersetzt. Und genau das wollen wir: Auseinandersetzung mit den eigenen Überzeugungen und Bildern von mir, Gott, der Welt, meiner Zukunft. Wer bereit ist, sich infrage zu stellen, der kann wachsen.

Wie läuft denn ein Tag bei euch konkret ab?

Hier wird in Kürze ein Video dazu erscheinen.

Was muss ich mitbringen?

Handtücher und deinen Schlafsack kannst du getrost zu Hause lassen, denn das, was du brauchst, bekommst du alles von uns. Im Freiraum der Zukunftswerkstatt brauchst du nur deine persönlichen Dinge, ein paar Klamotten und vielleicht etwas Duschbad. 😉

Wie finanziert ihr euch und was muss ich bezahlen?

Da wir ein Projekt des Jesuitenordens sind, werden wir auch vom Orden finanziert. Allerdings sind wir auch auf euren Beitrag und Spenden angewiesen. Alle Infos dazu findest du hier.

Du kannst das Geld entweder vor oder nach dem Kurs über unser Spendenformular überweisen oder uns vor Ort Bar bezahlen.

Fragen zur Auszeit

Ist eine Auszeit so etwas wie Urlaub?

Nein, zum Urlaubmachen bietet sich eine Auszeit nicht an. Klar, kann es sich vielleicht äußerlich im ersten Moment so anfühlen, weil man die eigenen vier Wände verlassen hat und dem Alltag entflieht. Doch uns geht es darum, bei dir einen inneren Prozess anzustoßen. Die Zukunftswerkstatt ist kein Ort zum „abhängen“ oder „chillen“. Auch wenn es äußerlich ruhig und gediegen aussieht, kann es innerlich schon mal turbulent oder anstrengend werden. Die Angebote der Zukunftswerkstatt SJ richten sich immer darauf, dass du klären kannst, dass du bewusster wirst für das, was du willst und was du nicht willst. Dazu braucht es Ruhe, aber dennoch „arbeitet“ man an inneren Fragen. Dafür bieten wir dir einen geschützten Raum, qualifizierte Anleitung und Begleitung.

Ist es bei euch vergleichbar mit „Kloster auf Zeit“?

Ja, man kann unser Angebot damit vergleichen. Im Kloster sucht man eine geistliche Atmosphäre, einen strukturierten Tagesablauf und Ruhe. Das findest du auch bei uns. Wir haben aber keine Bereiche wie eine Bäckerei oder Kerzengießerei, wo man tagsüber mitarbeiten kann. Auch gibt es keine regelmäßigen Gebetszeiten in der Kirche gemeinsam mit den Jesuiten. Diese Tradition hat der Jesuitenorden nicht.

Unsere „Klostergemeinschaft“ sind die Zukunftswerkstättler. Die Leute, die gerade da sind, bilden sozusagen zusammen eine kleine Klostergemeinschaft auf Zeit. Außerdem gestaltest du bei uns keine Kerzen, sondern stellst dich zur Verfügung, damit Gott dich gestalten und dein Leben zum Strahlen bringen kann.

Gibt es verpflichtende Elemente bei einer Auszeit?

Nein. Wenn du bei uns eine Auszeit machst, ist gar nichts ein Muss. Sowohl das gemeinsame Frühstück, das Morgengebet als auch der Tagesrückblick sind freiwillige Elemente. Wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass eine regelmäßige und klare Tagesstruktur den Leuten hilft.

Wie du durch Gespräche begleitet werden willst, besprechen wir am Beginn deiner Auszeit. Man kann sich täglich oder einmal die Woche treffen – das hängt davon ab, was und wie viel dich beschäftigt.

Fragen zu Exerzitien

Wie streng haltet ihr es mit dem Schweigen?

Grundsätzlich ist die Stimmung bei Exerzitien eine sehr ruhige und schweigsame. Allerdings geht es vor allem um die innere Grundhaltung des Schweigens. Deshalb muss man sich beim Essen zum Beispiel nicht scheuen, um die Butter am anderen Ende des Tisches zu bitten. Des Weiteren hat jeder Teilnehmer bei den Exerzitien täglich ein Einzelgespräch mit dem Begleiter (in unserem Fall meistens Clemens). Hier darf und soll natürlich ausführlich gesprochen werden.

Ich rede viel. Sind Exerzitien trotzdem was für mich?

Ja, denn ob die Exerzitien etwas für dich sind, hängt davon ab, was du dir davon erhoffst. Das Schweigen ist nur ein Mittel, damit du dein Ziel erreichst. Vor allem, wenn du sonst eine/r von der Sorte bist, die viel reden, kann es mal ganz angenehm sein, still zu werden. Das kann dir zu Beginn schwerfallen, aber bisher haben alle Teilnehmer das Schweigen als sehr wertvoll und vor allem hilfreich und wohltuend erlebt, auch die, die gerne und viel reden.

Was macht man in der freien Zeit? Fühlt man sich nicht alleine?

Es kann schon mal vorkommen, dass man sich in Exerzitien einsam fühlt oder sich langweilt. Man kann sich ja nicht mit Handy, Laptop oder spannenden Büchern ablenken. Aber unsere Kurse sind so konzipiert, dass Einsteiger entspannt bleiben und nicht überfordert werden. Außerdem ist man nicht einfach 24 Stunden mit sich alleine, sondern hat tagsüber Programm. Für die freien Zeiten bekommt man Vorschläge, wie man diese sinnvoll gestaltet. Und du wirst schon nach ein paar Tagen merken, dass du selbst ein so spannendes Buch bist, in dem man lesen kann oder du dich in deiner Haut einfach so wohlfühlst, dass du gar nichts weiter brauchst.

Haben Exerzitien etwas mit Exorzismus zu tun?

Nein! Diese beiden Dinge haben nichts miteinander zu tun.

Exerzitien heißt übersetzt Übungen. Es sind geistliche Übungen. Sie wurden von Ignatius von Loyola entwickelt. Er war spanischer Ritter, fand schließlich zu Gott und merkte, dass man jeden Tag aufs Neue seinen lebendigen Glauben an Gott einüben muss. Die Exerzitien hat er entdeckt, indem er sich selbst beobachtet hat. Später merkte er, dass das auch anderen helfen kann. So verbreiteten sich Exerzitien als Gebetsübungen für jedermann zur Vertiefung des eigenen Glaubens.

Das Wort Exorzismus dagegen, kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „Hinausbeschwören“. Es beschreibt das nicht unumstrittene Thema der „Teufelsaustreibung“ in vielen Religionen und Kirchen.