Große Träume … auf kleinen Bildschirmen.

Große Träume … auf kleinen Bildschirmen.

Online-Exerzitien im Advent von der Zukunftswerkstatt SJ – Ein Erfahrungsbericht.

In Verbindung mit Gott, ganz analog. (Hier seht ihr Bilder, die Teilnehmer:Innen von ihren Gebetsecken gepostet haben)

Die Zukunftswerkstatt im Lockdown, die Auszeitwochenenden abgesagt: So entstand das Angebot von Online-Exerzitien im Advent für junge Erwachsene. Nur wenige Tage vor dem Start am 1. Adventswochenende streuten die Mailverteiler die Nachricht in die Studien- und Arbeitszimmer in Deutschland, Österreich und der Schweiz – Magdalena und Christian erzählen, was dann passierte.

PLÖTZLICH EXERZITIEN.
Mitten in der Krise große Träume – ziemlich knapp vor Beginn des Advents kommt die Mail mit diesem Titel aus der Zukunftswerkstatt reingeflattert – mitten in mein Leben, dass sich so ver:rückt anfühlt durch diese Krise. Wie soll ich da denn große Träume haben? Genau diese Frage hat mich gereizt. Denn trotz all der Resignation, die sich in den letzten Wochen davor eingestellt hat, habe eine tiefe Sehnsucht gespürt nach der Hoffnung, nach meinen Träumen, die in so unerreichbare Ferne gerückt waren. Also dachte ich mir: „Let´s give it a try“ und hab mich angemeldet. Bereut habe ich es bis heute nicht! 😉 Der Sehnsucht sollte man folgen – das habe ich in darauffolgenden Wochen erlebt. [MAGDALENA MAI]

Der November neigte sich dem Ende zu, der Kalender zeigte den 26. an. Ich tigerte in meinem Zimmer in Bamberg umher. Viel mehr Bewegungsradius gab es nicht. Der zweite Lockdown war gerade verhängt worden.

Anfang November hatte ich mein 2. juristisches Staatsexamen bestanden. Die berufliche Weichenstellung stand nun an, ich “ging schwanger” mit Optionen. Ich verspürte den Drang, rauszukommen, Kontakt zu haben, klarer und tiefer zu fühlen, wohin mich mein Weg nun führt. Es lag Spannung in der Luft – und ich dachte, ja, diese Spannung, sie passt eigentlich gut zum anbrechenden Advent, dem Weg nach Weihnachten.

Ich hielt inne. Spontan griff ich nach meinem Handy und begann eine Sprachnachricht an Philipp. Philipp ist ein junger Jesuit in meinem Alter. Ich hatte ihn erst diesen Sommer in München bei einer Magis-Gruppe kennengelernt. Lange musste ich nicht auf Antwort warten: Mit seiner Sprachnachricht kam ein digitaler Flyer – für Online-Adventsexerzitien der Zukunftswerkstatt.

Exerzitien online? Über Zoom? Dieser Einfall kam mir in meiner Lebenslage gerade recht: Mich mit anderen und in geistlicher Begleitung auf den Weg zu machen – zum Fest der Geburt Christi; dabei meine eigenen spannungsvollen Überlegungen, meinen Wunsch nach Berufs- und Ortsentscheidung, ja, einer inneren Geburt mit hineinnehmend. Unmittelbar hatte ich den Eindruck, dass hier Fügung am Werk war. Ich meldete mich an – und am übernächsten Tag ging es auch schon los. [CHRISTIAN HAMBRECHT]

Bei den samstäglichen Treffen blickten also 45 Teilnehmer:innen und 9 Begleiter:innen aus ihren Zoom-Kästchen. Die Elemente der drei folgenden Wochen entstammten geistlicher Tradition – Lectio Divina, Schriftbetrachtung, Tagesrückblick und das Ins-Wort-Bringen, in der Einzelbegleitung und in den Kleingruppen – soweit, so bewährt. Die Wege waren neu: Gespräche über Zoom und Skype. Gruppentreffen in Breakoutrooms und zwischen geteilten Bildschirmen. Gebetsanleitungen auf Padlet und Youtube. Leon und Sophie erzählen, wie es ihnen damit erging.

Exerzitien sind erstmal ganz nüchtern betrachtet, so wie Ignatius von Loyola diese beschrieben hat, geistliche Übungen. Diese Online-Exerzitien gingen für mich wahrlich unter die Haut, da das Online-Format eine ganz neue Erfahrung war. Besonders angesprochen haben mich die Begeisterung und die Freude des Leitungsteams der Exerzitien, die auf die mich und die anderen Teilnehmer übergesprungen ist. Es gab ein Padlet, in dem die Aufgaben für den Tag abrufbar waren und somit eine Gedankenstütze. Schnell merkte ich wie sich eine Routine zwischen täglicher morgendlicher Bibellektüre, Stille und Tagesrückblick ergab. Anfangs war ich skeptisch, ob ich mich auf das Online-Format einlassen könnte. Mit diesem Zweifel war ich nicht alleine. Samstags trafen wir uns in der Gesamtgruppe und so war trotz des Online-Formates eine Gemeinschaft spürbar. Auch das wöchentliche Treffen mit der geistlichen Begleitung war für mich immer ein Gewinn, weil ich dort besonders gespürt habe, wie mich Gott auf meinem bisherigen Glaubensweg gelenkt hat und lenkt. Alle diese Elemente haben diese Exerzitien zu einer besonderen Zeit werden lassen, in der es mir das erste Mal gelungen ist, den Advent und die Weihnachtszeit auf das Wesentliche beschränkt, zu erleben. Kurzum: Es konnte Weihnachten in meinem Herzen werden und das war großartig. [SOPHIE BORN]

Einmal Breakout-Room und zurück
„Online-Exerzitien“ hießen sie diesmal. Sollten Exerzitien das nicht eigentlich immer sein? Online – in Verbindung – Übungen, um Verbindung zu suchen – Kontakt mit Gott.
Verändert war allerdings der Kontakt mit anderen Menschen. Eine Videokonferenz ist nicht das gleiche wie sich leibhaftig zu begegnen; sie ist nicht nur weniger:
Sie hat uns die Möglichkeit gegeben, samstagmorgens Menschen aus ganz Deutschland zu begegnen, die auch auf der Suche nach Gott sind, einander Weggefährten zu sein, auch wenn wir diesen Weg an verschiedenen Orten und im Alltag verschiedener Berufungen gegangen sind. Ein Raum des Ausbruches aus dem Alltag und zurück in wenigen Mausklicks. [LEON CORNELIUS SCHMIDT]

Magis – unter diesem Stichwort steht jede geistliche Suche. Ein MEHR im Leben, in der Hoffnung, im Glauben zu finden. Eine unerwartete Perspektive. Vertrauen zu fassen in die eigene Sehnsucht. Den eigenen Weg zu vermuten und Gottes Zusage darin. Dieses Magis endet nicht mit einem Mausklick auf „Meeting verlassen“. Magdalena und Christian erzählen exemplarisch, was bleibt und weitergeht.

Was bleibt.
Was bleibt ist besonders die Verbindung zu all den anderen Menschen. Es war toll in diesen digitalen Exerzitien immer wieder nach der Stille, die ich mit mir und Gott erleben durfte, in den Austausch mit den anderen jungen Erwachsenen zu kommen. Ihre Worte, ihr Teilen von ihren Erlebnissen habe mich so deutlich spüren lassen, dass auch sie hadern, straucheln, lieben, glauben, träumen… In vielen Momenten des Lauschens auf ihre Worte, habe ich Resonanz in mir gespürt – ihre Erfahrungen waren in gewisser Hinsicht auch meine. Diese Verbindung, die ich untereinander über alle Bildschirmgrenzen hinweg gespürt habe, die bleibt. [MAGDALENA MAI]

Was ich aus den Exerzitien mitgenommen habe, ist die Erfahrung, dass man die Texte der Bibel “verkosten” darf. Dass ihre Worte Geschmack und Schönheit haben, dass sie ähnlich einem Gedicht unmittelbar zum Herzen sprechen können, dass sie sinnlich erfahrbar werden.

Ich schließe die Augen, lasse die eben gelesenen Worte in mir nachklingen – und ein Strom an Bildern und Assoziationen taucht vor meinem inneren Auge auf: bunt, wild, herrlich, leise, laut, subtil, gewaltig, furchtbar, voller Liebe. Ich lasse mich für die Zeit der Schriftbetrachtung in das biblische Geschehen hineinziehen, in Lobpreis und Klage der Verfasser, ihre staunenswerten Schilderungen und Prophezeiungen. Derweil frage ich nicht mehr intellektuell nach ihrem Sinn oder ihre Bedeutung; vielmehr lasse ich mich faszinieren, in Bann schlagen. Ich werde selbst Teil der Geschichten.

Diese Anleitung zur ignatianischen Schriftbetrachtung, zur aktiven Imagination, wie man sie uns in den Exerzitien dargelegt hat und uns ermuntert hat, sie über vier Wochen zu üben und auszukosten, hat mein Glaubens(er)leben bereichert. [CHRISTIAN HAMBRECHT]

Online-Exerzitien, kein Grund zum Fürchten – simple Navigation über Padlet
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