30 Tage Exerzitien – Wie ist das eigentlich?

30 Tage Exerzitien – Wie ist das eigentlich?

Simon über seine großen Exerzitien in der Zukunftswerkstatt SJ

Simon ist 29 Jahre alt und stammt aus Vorarlberg (Österreich). Er hat Theologie, Philosophie sowie Wissenschaft und Religion in Innsbruck und Edinburgh studiert. Derzeit promoviert er an der Universität von Oxford und hat diesen Sommer in der Zukunftswerkstatt SJ große Exerzitien gemacht. Für alle Neugierigen hat er danach ein paar Fragen beantwortet.

Simon, was hat Dich zu dem Schritt, die großen Exerzitien zu machen, motiviert?

Dass Exerzitien ein tolles Werkzeug sind, um gute Entscheidungen zu treffen, habe ich vor einigen Jahren bei einem Kurs in Österreich erfahren. Seitdem ist die Sehnsucht in mir gewachsen, mich auf das volle Paket, die Großen Exerzitien, einzulassen: 30 Tage an einem geistlichen Ort in Schweigen und Gebet. Zudem stand bei mir eine Entscheidung an, die ich gerne nochmals vor Gott bringen wollte, um auch wirklich sicher zu gehen, dass sich diese für mich stimmig anfühlt. Da kam mir eine 30-tägige Auszeit für mich mit Gott gerade recht. Und durch Zufall – oder war es Fügung? – bin ich im Internet auf die Zukunftswerkstatt SJ in Frankfurt gestoßen.

Warum schweigt man überhaupt so lange und hält man das überhaupt aus?

Das mag eigenartig klingen, aber Schweigen eröffnet einen Raum. Ich habe erfahren, wie gut es mir tut, ungestört meinen Gedanken und Gefühlen nachgehen zu können; hinzuhorchen, was da alles in mir aufsteigt, wenn ich nicht ständig äußeren Sinneswahrnehmungen nachjage und Neues in mich hineinschlinge, und damit anderes hinunterspüle. Schweigen bedeutet aber mehr als der bewusste Verzicht auf Sprechen. Schweigen meint auch den weitestgehenden Verzicht auf Informationsinput, Kommunikation und die Interaktion mit anderen. Aber das zu erlernen braucht Zeit, Zeit und einen gewissen Rhythmus. Das Schöne daran ist, dass gerade durch das gemeinsame Gehen eines Weges im Schweigen ein Gefühl der Verbundenheit und des Getragenseins von anderen entsteht. Das Schweigen hat so einen Klangraum entstehen lassen, in dem ich ungestört die Melodie meines eigenen Lebens hören konnte.

Was hast Du Dir von den Exerzitien erhofft?

Konkrete Erwartungen hatte ich keine großartigen, außer vielleicht ein wenig mehr Klarheit zu bekommen über das, was ich eigentlich will – fern ab vom Stress und der Hektik des Alltags. Im Vorbereitungsgespräch ist mir dann klar geworden, dass ich herausfinden möchte, warum sich der kommende Lebensabschnitt nach dem Studium so anfühlt, wie er sich anfühlt, mit all den Hoffnungen, Ängsten und Fragezeichen. Aber Erwartungen sind eine Sache, Erhoffen eine andere. Denn Hoffnung ist letztlich eine Haltung der Offenheit auf den je anderen hin, im Falle der theologischen Tugend auf Gott hin: Was oder genauer gesagt wer wäre ich, wenn ich mich ganz auf ihn hin ausrichte, mich ganz auf ihn einlasse?

Und wie ist es Dir in den vier Wochen ergangen?

Ich habe mich vom ersten Tag an in der Zukunftswerkstatt SJ willkommen und wohl gefühlt. Es waren die Kleinigkeiten, die Liebe zum Detail, ob ästhetisch oder kulinarisch, die den Aufenthalt zu einer ganz besonderen Zeit gemacht haben. Das Team der Zukunftswerkstatt SJ hat uns bestens umsorgt und auch das Essen war der Hit. Zudem gibt es einen hauseigenen Park, schöne Zimmer, eine tolle Kapelle und einen klimatisierten Mediationsraum mit Blick auf die Frankfurter Skyline. Der Nährboden für gelingende Exerzitien war damit reichlich bereitet. Die Exerzitien waren für mich eine gefühlsmäßige Achterbahn. Dank des geregelten Alltags mit festen Zeiten und den Gesprächen mit meinem geistlichen Begleiter habe ich mich aber in jeder Phase der Exerzitien getragen gefühlt. Halte die Ordnung und die Ordnung hält dich, besagt eine alte Weisheit. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, den Dingen auf den Grund zu gehen und die Emotionen auszuhalten, um so mit mir in Einklang zu kommen. Und das Erstaunliche ist, dass dort, ganz bei mir, mich jener bejaht und ruft, der uns als absolutes Geheimnis anspricht.

Vielen Dank für Deine Antworten Simon!

 

Solltest Du jetzt auch Lust auf Exerzitien bekommen haben, kannst Du ja mal bei den Terminen nachschauen, wann der nächste Kurs in der Zukunftswerkstatt stattfindet – Es müssen ja nicht gleich 30 Tage sein 😉

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